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5 Min. Lesezeit Essen

Uchpochmaki / Учпочмаки: Zwischen Teigtaschen und meinen Identitätszweifeln

In der heutigen Ausgabe von nelken & nostalgie erzählt Diana anhand traditioneller Uchpochmaki von ihrer baschkirischen Familiengeschichte und den eigenen Wurzeln. Für unsere nächste Printausgabe suchen wir außerdem Antworten auf eine ähnliche Frage: Wonach schmeckt Zuhause für dich?

Uchpochmaki / Учпочмаки: Zwischen Teigtaschen und meinen Identitätszweifeln
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nelken & nostalgie ist der Newsletter für kulinarische Entdecker*innen, die Essen nicht nur genießen, sondern auch dessen Wurzeln und persönliche Geschichten von Menschen aus aller Welt verstehen möchten.

Salam und willkommen zu einer neuen Folge von nelken & nostalgie!

Auf die heutige Ausgabe freue ich mich ganz besonders. Nicht nur, weil unsere Praktikantin Diana ein tolles Rezept mit uns teilt, sondern auch, weil ihr Beitrag von etwas erzählt, das vor allem Menschen mit Migrations- und Fluchtgeschichte kennen: dem Gefühl, durch einen bestimmten Geschmack, Geruch oder ein Gericht plötzlich wieder mit einem Ort oder einem Teil der eigenen Geschichte und Heimat verbunden zu sein. Insbesondere dann, wenn man nicht mehr dort lebt.

Während ich ihren Beitrag gelesen habe, habe ich mir selbst eine Frage gestellt: Wonach schmeckt Zuhause eigentlich für mich? Welche gambischen und senegalesischen Gerichte kommen mir sofort in den Gedanken, wenn ich an meine Familie und Herkunft denke? Welcher Geschmack erinnert mich an mein Zuhause?  

Je länger ich darüber nachgedacht habe, desto mehr wurde mir klar, dass genau diese Frage im Herzen von nelken & nostalgie liegt. Hinter den Gerichten, die hier vorgestellt werden, stecken Geschichten über Herkunft, Identität, Familie und Erinnerung. Essen wird dabei zu etwas viel Größerem als nur einem Rezept. Es wird zu einem Zugang zu den Geschichten, die uns geprägt haben und bis heute begleiten.

Deshalb freue ich mich sehr, dass nelken & nostalgie in der nächsten Printausgabe von kohero genau dieser Frage Raum geben wird:

Wonach schmeckt Zuhause für dich?

Welches Gericht kommt dir als Erstes in den Sinn? Welcher Ort, welcher Mensch oder welche Erinnerung steckt dahinter?

Wir möchten diese Frage nicht allein beantworten, sondern direkt von unserer kommunity hören. Deshalb suchen wir Menschen mit Migrations- oder Fluchtgeschichte, die ihre Antwort mit uns teilen möchten.


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Hast du Lust, Teil unserer Printausgabe zu werden und mit unserer kommunity zu teilen, wonach Zuhause für dich schmeckt? Dann schreibe mir gerne eine E-Mail an kady@kohero-magazin.de und erzähle mir in ca. 250–300 Wörtern, welches Gericht du mit deinem Zuhause verbindest und warum.

Aus den Einsendungen möchten wir einige Geschichten in unserer nächsten Printausgabe sichtbar machen und persönliche Einblicke aus unserer kommunity teilen.

Als kleines Dankeschön erhältst du die Printausgabe nach Erscheinen kostenlos zugeschickt.

Ich freue mich schon sehr darauf, deine Geschichte zu lesen und zu erfahren, welche Gerichte, Geschmäcker und Gerüche dich an dein Zuhause erinnern.

Jetzt wünsche ich dir aber erst einmal viel Freude beim Lesen von Dianas Geschichte. Zwischen Uchpochmaki, Familienerinnerungen und Fragen von Zugehörigkeit erzählt sie davon, wie Essen dabei helfen kann, den eigenen Wurzeln wieder ein Stück näherzukommen.

Ich wünsche dir viel Spaß beim Lesen und Nachkochen.

Deine Kady,


Uchpochmaki / Учпочмаки: Zwischen Teigtaschen und meinen Identitätszweifeln

Ehrlich gesagt habe ich die baschkirische Identität meiner Familie lange nicht wirklich verstanden. Ich wusste, dass wir aus Baschkortostan, auch Baschkirien genannt, kommen. Ich wusste, dass die Region eine eigene Sprache und kulturelle Besonderheiten hat. Trotzdem habe ich mich eigentlich immer als Russin gesehen. Vielleicht auch deshalb, weil ich in Deutschland meist auch als Russin wahrgenommen wurde. Vor einigen Jahren sprach ich mit meiner Cousine darüber. Sie sagte ganz selbstverständlich, dass sie Baschkirin und nicht Russin sei.

Seitdem beschäftigt mich die Frage: Als was sehe ich mich eigentlich selbst? Und welche Rolle spielt diese Identität für mich, insbesondere hier in der russischsprachigen Diaspora in Deutschland?

Rückblickend habe ich erkannt, dass ich selbst dazu beigetragen habe, eine Minderheit – zu der ich eigentlich gehöre – unsichtbar zu machen. Mit diesem Rezept möchte ich deshalb einen kleinen Beitrag dazu leisten, die baschkirische Kultur sichtbarer zu machen – für Menschen, die bisher noch nie von ihr gehört haben, aber auch für mich selbst, um mich wieder stärker mit meinen Wurzeln auseinanderzusetzen. 

Die Spuren meiner Herkunft

Die Baschkiren waren traditionell ein halbnomadisch lebendes Volk, was sich bis heute in vielen kulturellen Symbolen widerspiegelt. Dem Pferd kommt beispielsweise eine besondere Bedeutung zu. Auch kulinarisch ist die Region geprägt von haltbar gemachten Lebensmitteln, ihrem berühmten Honig und Kumis, einem Getränk aus fermentierter Stutenmilch. Ich persönlich fand den Geschmack immer eher gewöhnungsbedürftig, aber vermutlich geht es vielen Menschen so mit regionalen Delikatessen.

In Baschkortostan gibt es zwei Amtssprachen: Russisch und Baschkirisch. Ich erinnere mich noch gut daran, dass Straßenschilder und Geschäfte überall zweisprachig beschriftet waren. Die Hauptstadt Ufa, gleichzeitig meine Geburtsstadt, wird beispielsweise auf Russisch Уфа und auf Baschkirisch Өфө geschrieben.

Die Baschkirische Sprache habe ich selbst nie gelernt, obwohl meine Mutter sie mit meiner Großmutter und ihren Geschwistern spricht. Trotzdem fühle ich mich mit ihr auf eine gewisse Weise verbunden. Vielleicht ist genau das der Widerspruch, der meine Beziehung zu meiner Herkunft bis heute prägt.

Der Geschmack von Zuhause

Sowohl russische als auch baschkirische Gerichte erinnern mich an meine Kindheit und an meine Familie, die ich leider viel zu selten sehe. Baschkirische Küche findet man in Deutschland so gut wie gar nicht. Aber auch russische und andere sogenannte "osteuropäische" Spezialitäten begegnen mir nur selten. Deshalb freue ich mich jedes Mal, wenn ich diese mir bekannten Lebensmittel entdecke und für mich dadurch ein Gefühl vom Heimat und Zugehörigkeit entsteht

In Gedanken sitze ich wieder in der Küche meiner Großmutter oder meiner Tante. Der Schwarztee steht bereits auf dem Tisch, und ich darf mich durch all die Gerichte probieren, die ich in Deutschland oft vermisse. Dazu gehören auch Uchpochmaki, die ich vor Kurzem zum ersten Mal selbst gebacken habe. Und ich war begeistert. Obwohl ich sehr gerne koche, habe ich mich bisher kaum an baschkirische oder russische Gerichte herangewagt. Traditionell werden die dreieckigen Teigtaschen mit Fleisch, Kartoffeln und Zwiebeln gefüllt. Da ich mich vegetarisch ernähre, habe ich mich für eine eigene Variante entschieden und das Fleisch durch vegetarisches Hack und Pilze ersetzt.

Probier das Rezept gerne selbst aus und werdet kreativ. Es lohnt sich!

Deine Diana


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Wir suchen Menschen mit Migrationsgeschichte, die ihre Geschichte entlang eines Gerichts erzählen möchten. Du musst kein Profi sein – wir begleiten dich im Schreibprozess. Wichtig sind deine Perspektive und deine Stimme. Schicke uns jetzt deine Ideen.

Das Rezept

Zutaten (Für 12 Uchpochmaki)

Für den Teig

Für die Füllung

Optional


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Zubereitung

Teig

  1. Alle Zutaten in einer großen Schüssel miteinander vermengen.
  2. Die Masse auf eine Arbeitsfläche geben und gründlich verkneten, bis ein glatter und fester Teig entsteht.
  3. Den Teig anschließend 20–30 Minuten ruhen lassen.

Füllung

  1. Zwiebeln, Knoblauch und Kartoffeln in kleine Würfel schneiden und beiseitestellen.
  2. Die Champignons ebenfalls fein hacken und mit etwas Öl in einer Pfanne anbraten.
  3. Sobald die Champignons etwas zusammengefallen sind, das (vegane) Hack, die Worcestersauce und die Gewürze hinzufügen. Dieser Schritt verleiht der vegetarischen Füllung zusätzliches Aroma.
  4. Anschließend alle Zutaten miteinander vermengen.

Uchpochmaki formen und backen

  1. Den Backofen auf 190 °C Ober-/Unterhitze vorheizen.
  2. Den Teig in etwa zwölf gleich große Portionen teilen und jeweils rund ausrollen.
  3. Etwas Füllung in die Mitte geben und die Teigränder zu einem Dreieck zusammendrücken. Traditionell bleibt in der Mitte eine kleine Öffnung, damit der Dampf während des Backens entweichen kann (siehe Foto).
  4. Die Uchpochmaki auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech legen. Optional können sie mit Eigelb oder pflanzlicher Milch bestrichen und mit Sesam bestreut werden.
  5. Für 25–30 Minuten goldbraun backen.
  6. Kurz abkühlen lassen und genießen.

Tipp

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